Sie werfen sich harte Drogen ein und vergnügen sich an Partys. Experten warnen jetzt vor den Folgen des Chemsex. Nicht nur sexuell übertragbare Krankheiten sind dabei ein Problem.

Es sei ein alarmierender Trend, berichten britische Mediziner. In Grossbritannien würden immer mehr Menschen an Chemsex-Partys teilnehmen. Die Leute nehmen dafür bewusst oftmals harte Drogen wie Crystal Meth oder GHB und haben dann während bis zu drei Tagen mit verschiedenen Partnern Sex.

Aufgrund des Drogeneinflusses haben die Teilnehmer häufig ungeschützten Geschlechtsverkehr, weshalb sie sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten wie HIV oder Hepatitis anstecken können. Der rege Partnerwechsel an den Partys verschlimmert dieses Risiko zusätzlich. Die Behörden warnen deshalb vor einer Zunahme von Infizierten.

Weil die Partys teilweise mehrere Tage dauerten, ist es schliesslich oft zu spät für antivirale Medizin oder Verhütungsmassnahmen. Obwohl das Phänomen hauptsächlich in der Homosexuellen-Szene verbreitet ist, habe die Vergangenheit gezeigt, dass diese Gruppe oft Vorreiter eines neuen Trends sei, zitiert der «Telegraph» Experten.

Bis zur Bewusstlosigkeit

In der Schweiz gibt es Chemsex-Partys ebenfalls. «Solche gab es eigentlich schon immer. Die Substanzen, die dabei genommen werden, ändern sich aber mit der Zeit», sagt Lars Stark, ärztlicher Leiter bei den Zentren für Suchtmedizin Arud in Zürich. Üblicherweise würden Amphetamine, Kokain und andere bekannte Substanzen eingenommen – am häufigsten Alkohol und Cannabis. «An den speziellen Sextreffs nehmen die Leute vereinzelt auch GHB, Ketamin und Poppers, welche in der Partyszene sonst eher selten konsumiert werden.» Auch Viagra sei ein gern genommenes Mittel für Sexpartys.

Laut Stark ist besonders der Mischkonsum gefährlich. «Die Drogen wirken toxisch und belasten den Herzkreislauf.» GHB und Ketamin können zudem narkotisch wirken und zur Bewusstlosigkeit führen. Weitere Folgen des Drogenkonsums seien Psychosen, Angstzustände und die Übertragung von sexuellen Krankheiten wie etwa Syphilis, Tripper, HIV oder Hepatitis – eine Folge des hemmungslosen Verhaltens unter Drogeneinfluss.

Danach folgen Depressionen und Stimmungsschwankungen

Stark hat bereits selbst Patienten betreut, die an Sexpartys teilgenommen hatten. Von mehrtägigen Sexpartys habe er bisher keine Kenntnis. «Ich habe aber gehört, dass sie eine ganze Nacht lang dauern.» Ziel solcher Partys sei es, anonym mit möglichst vielen Partnern Sex zu haben. Auch Praktiken, die die Leute sonst nicht ausüben können, seien beliebt.

«Die meisten dieser Leute haben eigentlich ein geregeltes Leben. Nach den Partys werden sie häufig depressiv und haben Stimmungsschwankungen – eine Folge des Nachlassens der Drogenwirkung», sagt Stark.

Nimmt der Trend alte Formen an?

Bereits in den 80er Jahren gab es ähnliche Partys. Viagra gab es damals jedoch noch nicht. Stattdessen wurden andere Drogen mit ähnlicher Absicht genommen, sagt Rainer Kamber von Sexuelle Gesundheit Schweiz. Die Teilnehmer seien altersmässig gestreut. Der Grossteil sei jedoch eher über 30 Jahre alt.

Jene, die regelmässig an solchen Partys teilnehmen, hätten vermutlich auch andere Probleme. «Wer ein solches Risikoverhalten an den Tag legt, hat oft auch psychische Probleme, zum Beispiel Depressionen», sagt Kamber. «Das ist auch in anderen Gesundheitsbereichen so.» Statistiken zu Chemsex-Partys gibt es keine. Während der Aids-Welle in den 80er und 90er Jahren nahmen sie jedoch massiv ab. Laut Kamber könne es sein, dass das Phänomen mittlerweile wieder alte Formen annehme. Die Präventionsorganisation rät jedoch von den Partys klar ab. «Das sind ungesunde Praktiken in jeder Hinsicht. Gerade auch das HIV-Infektionsrisiko ist dabei gross.»

Quelle: 20min.ch

 

9. November 2015 No Comments admin Allgemein, Gesundheit, Sexparty ,