Immer mehr Minderjährige gehen für Sex zu Prostituierten. Das bleibt nicht ohne Folgen. Aus den betroffenen Teenies würden später Straftäter, sagt eine Expertin.

«In der Schweiz gehen sogar 13-Jährige ins Puff», weiss Sefika Garibovic, Expertin für Nacherziehung. Sie therapiert derzeit fünf minderjährige Jugendliche, die mehrmals wöchentlich Prostituierte für Sex aufsuchen.

Die Anzahl minderjähriger Freier habe in den letzten fünf Jahren drastisch zugenommen, so ihre Beobachtung. «Buben fühlen sich gerade in diesem Alter von Kollegen unter Druck gesetzt. Sie wollen sich gegenüber den anderen Kindern beweisen», so Garibovic.

Auch Cornelia Bessler, Chefärztin der Kinder und Jugendforensik der Psychiatrischen Universitätsklinik des Kantons Zürich, stellt einen Wandel fest: «Jugendliche werden immer früher sexuell aktiv. Sie werden früher mit sexuellen Themen konfrontiert und kommen früher in die Pubertät», sagt sie. Ein wichtiger Faktor sei auch der Pornografiekonsum bei Teenagern. Man könne sich im Bordell die Sexualität kaufen, die man im Internet sieht.

Bordelle sind kein Tabu-Thema mehr

Ausserdem sinke die Hemmschwelle diesbezüglich zunehmend: «Man spricht über Bordelle. Sie sind gut zu finden und leicht zugänglich», so Bessler. Unter den Jugendlichen gebe es zudem ein Geltungsbedürfnis.

Garibovic ist ebenfalls der Meinung, dass unter den Teenies Druck herrscht. Sie stellt fest, dass vor allem Buben, die sich als Aussenseiter fühlen und glauben, keine Chance bei gleichaltrigen Mädchen zu haben, das Bordell aufsuchen.

Sie gibt die Schuld an den Bordell-Besuchen der Minderjährigen vor allem den Eltern, die zu wenig Zeit mit ihrem Nachwuchs verbringen und nicht ausreichend kommunizieren. Verantwortung trage aber auch die Schule. Es könne nicht sein, dass Jugendliche von Lehrern mit Plüschtieren über Sexualität unterrichtet würden. Dafür brauche es Fachleute, sagt Garibovic. Das Verhalten der betroffenen Jugendlichen sei nicht angeboren: «Teenager aus bestem Haus gehen ins Puff», sagt sie.

Auch Bessler stellt fest, dass Eltern, die sich zu wenig um ihre Kinder kümmern, zu einer solchen Entwicklung beitragen können.

Früher Bordellbesuch hat Folgen

Der Sex mit Prostituierten bleibt nicht ohne Folgen: «Sexualität droht dann zu einem reinen Konsumverhalten zu verkommen und ähnlich wie beim Alkoholgenuss kann sich daraus bei übermässigem Konsum eine Sucht entwickeln», zieht Bessler den Vergleich. Wichtige Elemente wie Bindung, Beziehung, Wärme und Geborgenheit gingen dadurch verloren, so die Expertin.

Garibovic geht sogar noch einen Schritt weiter: Die Buben hätten es später schwer, eine normale Beziehung zu führen. Sie könnten nicht mit Gefühlen umgehen und hätten den Respekt vor Frauen verloren. Es komme deshalb nicht selten zu physischer Gewalt.

Werden minderjährige Freier zu Straftätern?

Sie glaubt, dass minderjährige Freier nicht selten zu Straftätern werden. Fehle ihnen das Geld für einen weiteren Bordellbesuch, würden einige klauen oder im schlimmsten Fall sogar eine andere Frau vergewaltigen. «Das ist wie eine Sucht. Hätten sie das Geld, würden die Teenager täglich eine Prostituierte aufsuchen», ist sich die Therapeutin sicher.

Bessler kann diese Aussage nicht bestätigen. Es gebe dafür keine wissenschaftlichen Belege. Und trotzdem. «Geldnot und Sexsucht erhöhen ganz allgemein das Risiko für Straffälligkeit.»

Quelle: 20min.ch

5. November 2015 No Comments admin Allgemein , , ,