Laut Statistik ist Sex am Arbeitsplatz keine Seltenheit, ja steigert sogar die Arbeitszufriedenheit. Dem SZ-Magazin liegt ein internes Schreiben vor, wie sich die deutsche Wirtschaft das zu Nutze machen will.

Laut einer Umfrage der Erotik-Webseite big7.com hatten 31 Prozent der Befragten schon einmal Sex am Arbeitsplatz, 17 Prozent davon mit einer Kollegin oder einem Kollegen (dass es sich bei den übrigen 14 Prozent um Fahrradkuriere handelte, geht aus der Statistik nicht hervor).

Da die Befragten dies, wie man dem Tonfall der Meldung entnehmen kann, als positive Erfahrung werten, ist die deutsche Wirtschaft aufgerufen, dieses bisher übersehene Potenzial für Jobzufriedenheit auszuschöpfen. Die ersten Firmen reagieren bereits, wie wir einem uns vorliegenden internen Schreiben eines mittelständischen Unternehmens aus der Region entnehmen.

»Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
als regionaler Marktführer im Bereich Logistik und Supply Chain Management und als gewachsenes familiengeführtes mittelständisches Unternehmen sind wir uns der sozialen Verantwortung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, also Sie und Ihre Familien, sowie die Region und den deutschen Mittelstand bewusst. In dieser Eigenschaft sind wir eingeladen, auch auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen mit ruhiger Hand und proaktiv zu reagieren.

Lassen Sie uns nicht lange »um den heißen Brei herumreden«: Sicher werden Sie in den Medien verfolgt haben, dass einer Umfrage zufolge 31 Prozent aller Befragten Sex am Arbeitsplatz hatten.

Auch wir können, dürften und wollen in diesem Bereich nicht untätig bleiben. Sie werden Verständnis dafür haben, wenn wir uns im Sinne des Betriebsgesetzes und selbstverständlich in enger, zeitnaher Abstimmung mit der Personalabteilung keinesfalls in Ihr Privatleben »einmischen« wollen, insbesondere nicht, sofern dieses zwischenmenschliche bzw. im engeren Sinne geschlechtliche Belange betrifft. Dennoch sind von diesen Entwicklungen die sexuelle Aktivität von Arbeitnehmerinnen und Arbeitsnehmern auch und insbesondere am Standort Deutschland sowie Österreich und Schweiz (DACH) betreffend zwei Aspekte berührt, die auch uns alle, insbesondere also Sie und Ihre Familien sowie die gesamte Region betreffen.

Erstens: Stichwort Wettbewerbsfähigkeit. Diese zu erhalten, zu steigern und als Grundvoraussetzung unseres wirtschaftlichen Erfolges zu verstehen, ist das A und O unseres Handelns. Lassen Sie uns in aller Deutlichkeit festhalten: Wir haben verstanden. Der natürlich gegebene Zusammenhang zwischen sexueller Aktivität, Zufriedenheit am Arbeitsplatz sowie in der Folge hierdurch gesteigerter Produktivität, im Ergebnis also konsolidierter und ausgebauter Wettbewerbsfähigkeit ist auch uns, Ihrer Geschäftsleitung, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Region, nicht entgangen.

Wir haben uns daher entschlossen, den Tatsachen »ins Auge« zu blicken: Bei rund 798 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hier am Standort in der Region betreffen die nun veröffentlichten Statistiken summa summarum 247 von Ihnen (gerundet). Da die Wettbewerbsfähigkeit die Visitenkarte des mittelständischen Unternehmers ist, werden wir in enger Abstimmung mit den Berufsgenossenschaften, den Zulieferern und den übrigen Gewerken sowie der Arbeitnehmerinnen- und Arbeiternehmervertretung Maßnahmen einleiten, um einen Anstieg dieser Zahlen zeitnah (ab KW 45-48) zu bewirken.

Namentlich denken wir nach über Renovierungen des Sanitärbereich sowie eine flächenmäßige Ausweitung bzw. Erweiterung der PKW-Stellplätze im Bereich Nord. Spirituosenausschank in der Kantine wird im ersten Quartal des kommenden Kalenderjahres versuchsweise eine vorübergehende Option sein, ebenso wird, sofern die Richtlinien für Arbeitssicherheit dies zulassen, die Beleuchtung in Haus 2 und 3 gedämpft, dies in Abstimmung mit der Haustechnik und ganz im Sinne unserer angestrebten Kosteneinsparung im Bereich der Energiekosten.

Zweitens, Stichwort Firmeneigentum. Bitte betrachten Sie die Einladung, unsere Wettbewerbsfähigkeit durch Steigerung der Zufriedenheit am Arbeitsplatz auszubauen, nicht als »Freibrief«, um im Zuge dieser wachsenden Arbeitsplatzzufriedenheit sorglos oder gar fahrlässig mit dem Betriebseigentum umzugehen, insbesondere Bürostühlen, Werkbänken, Auslegeware sowie speziell den Polstermöbeln in den den Kundinnen und Kunden vorbehaltenen Wartebereichen.

In der Gewissheit, dass wir alle in dieser Angelegenheit an einem Strang ziehen, und in Vorfreude auf unsere Weihnachtsfeier in KW 49 sowie gelassener Erwartung der nächsten Quartalszahlen verbleibe ich mit regional gesinnten Grüßen,

Quelle: Süddeusch Zeitung

13. October 2015 No Comments admin Allgemein, Im Netz , ,